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NETZROLLER: WER ANGST HAT VERLIERT (TEIL 1)

Warum Angst so eine große Rolle in meinen täglichen Tenniscoachings spielt und was du von einem Roger Federer lernen kannst.

Gehörst du auch zu den Tennisspielern, die sich ständig mit ihrem Kopfkino auseinandersetzen müssen und dadurch ihr Potential oftmals nicht voll ausschöpfen können? Kennst du Gedanken wie:

„Ich kann das nicht.“

„Schon wieder im Aus/Netz.“

„Spiele den Ball rein. Ich muss sicher spielen.“

Dein Stresspegel steigt, du verkrampfst, deine Muskulatur wird fest, Atem- und Herzfrequenz werden schneller und du beginnst zu schwitzen, obwohl es noch gar nicht so anstrengend ist.

Gedanken/Situationen mit denen sich viele meiner Trainingsteilnehmer aber auch jede Menge Freizeitspieler konfrontiert sehen. „Angst“ ist für viele Tennisspieler ein ständiger Begleiter und sitzt ihnen wie ein Schalk im Nacken. Der Begriff „Angst“ fällt jedoch in den seltensten Fällen sondern wird eher mit Stress, Anspannung & Unsicherheit umschrieben. „Angst, ich doch nicht!“

Woher rührt das? Was steckt dahinter? Welcher Typ Angsthase bin ich? Wie komme ich aus der Angstspirale heraus und welche Strategien lassen sich im Alltag einbauen?

In einer mehrteiligen Serie rund um Thema Angst teile ich mir dir all meine Coachingerfahrungen aus den letzten 15 Jahren. Was ist mir aufgefallen? Welche Parallelen lassen sich aus dem Alltag ableiten? Wie bewerte ich als Experte/Trainer/Coach für Tenniseinsteiger & Freizeitspieler dieses Thema? Welche Strategien wende ich als Gesundheitswissenschaftler (Schwerpunkt Stressmanagement) in meiner täglich Arbeit erfolgreich an? Sei gespannt und lasse dich inspirieren.

Lass´ uns starten und zuerst einmal einen „Cross-Gedanken“ aufgreifen. Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, WARUM du Tennis spielst? Das Ganze lässt sich ziemlich einfach in vier große WHY´s einordnen:

  1. „Tennis macht Spaß und ich kann mich so richtig auspowern.“ (Freude)
  2. „Mit Gleichgesinnten steigt die Motivation.“ (Soziale Bindung)
  3. „Ich möchte mich verbessern und mein Level stetig nach oben schrauben.“ (Lernen)
  4. „Ich möchte gewinnen.“ (Erfolg)

Somit lässt sich also gleich die berechtigte Frage stellen: Wovor habe ich eigentlich Angst?

Bevor wir das klären, möchte ich kurz „Angst“ definieren, damit wir im Folgenden das gleiche Verständnis teilen.

Wenn Angst bei dir aufkommt und sich breit macht, befindest du dich in einem akuten psychischen Zustand, geprägt von verstärkter Besorgnis und Anspannung, welcher bei dir unmittelbar eine körperliche Aktivierung/Reaktion auslöst. Es handelt sich demnach um eine (plötzlich) auftretende negative Emotion, wenn du eine Situation als bedrohlich oder auch unbekannt einschätzt. Oftmals handelt es sich bei diesen Situationen um Folgen eines Leistungsversagens, der sozialen Blamage oder auch um eine Situation der Überforderung.

Deine körperlichen Reaktionen finden dann entweder auf einer sogenannten kognitiven Ebene (sorgenvolle Gedanken, Befürchtungen) oder der somatischen Ebene (psychische Veränderungen wie steigende Atem- & Herzfrequenz, Schweißausbruch etc.) statt.

Was bedeutet das für dich on Court (und hier bist du nicht allein)? Dass deine Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist und du dein volles Potential gar nicht auf den Platz bringst. Du wirkst in deinen Schlägen gehemmt und kannst nicht dein Spiel durchziehen, zu dem du eigentlich in der Lage bist. Verbesserung heute Fehlanzeige.

Darauf haben wir bzw. du eigentlich keinen Bock. Ja oder Ja? Wenn ich dir aber jetzt sage, dass du (evolutionär) einen gewissen Angstpegel erreichen musst, um einen erfolgreichen Ball zu spielen oder gar ein Match zu gewinnen….

Es hört sich komplizierter an, ist es aber nicht. Du benötigst, nicht nur im sportlichen Kontext, stets eine individuell unterschiedlich stark ausgeprägte Art der Angst, um dein/e Ziel/e zu erreichen, das dich aus deiner Komfortzone holt und damit ins nächste Level katapultierst.

„Wer Angst hat verliert.“ Diese Aussage hast du sicherlich schon gehört. Und genau jetzt möchte ich dir deine Angst nehmen und dir einen Diamanten mit auf den Weg geben, wie du aus deiner Angst eine Rakete zündest.

Jeder von uns hat Angst. Du, ich, deine Freunde, dein Partner. Du solltest dich nur mit einer Frage auseinander setzen, wenn du wirklich bereit bist, etwas ändern zu wollen:

Wie gehe ich mit meiner Angst um?

Gehen wir einmal nicht von einer Situation aus, bei der es um Leben oder Tod geht. Sondern halten wir es ganz simple. Du befindest dich im Tennistraining und dein Trainer möchte dich (+die anderen Trainingsteilnehmer) heute aus deiner/eurer Komfortzone holen. Übt auch noch etwas Druck aus, da er das bereits Erlernte voraussetzt und hier mehr oder weniger keine Fehler mehr entstehen sollten, damit die Übung „läuft“ und sich demzufolge der Erfolg einstellt. Zusätzlich geht die Übung auch noch auf Zeit und im Anschluss soll das Erlernte direkt im Spiel um Punkte angewendet werden. Puh…

Nach kurzer Erklärung kommt auch noch die Frage: „Wer von euch möchte beginnen?“ Und spätestens jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Warum?

Zu Beginn der Erklärung sind wir meist nervös, was unheimlich wichtig ist, da sich unser Körper auf die kommende, neue Situation einstellt und uns pusht. Wird jedoch nach kurzer Zeit aus der Nervosität Angst, wirkt sich das extrem leistungshemmend aus.

Du kennst das vielleicht. Spätestens während der Trainingsform. Die Bälle gelingen dir nicht mehr so, wie gewohnt. Vorhand & Rückhand wirken plötzlich verkrampft, nicht mehr so flüssig und schlecht koordiniert. Du verlierst die Kontrolle über dein Spiel, wirkst gelähmt mit der Folge, das körperlich und geistig nicht mehr viel läuft. Von den aufkommenden Gedanken, dass wegen dir jetzt vielleicht die Gruppendynamik und damit der allgemeine Fortschritt ins Schwanken gerät, ganz zu schweigen.

Übrigens können wir dieses einfache Szenario über all unsere Lebenssituation legen. Sobald wir nur ein klein bisschen erkennen, „ui, hier muss ich meine Gewohnheiten über Board werfen“, wird aus anfänglicher Unsicherheit schnell eine Angst. Insbesondere der Gedanke den Erwartungen (äußerer Druck, soziale Blamage) nicht gerecht zu werden, endet oftmals in der Überforderung. Bumm, die Tür ist zu. Nix geht mehr. Der Tag ist gelaufen.

NEIN! Hier (m)ein Lösungsansatz der dir hilft, die „Angstspirale“ besser zu verstehen:

  1. Um eine Angst auszulösen, musst du stets eine Situation als bedrohlich einstufen (subjektiv).
  2. Deine Wahrnehmung und deine anschließende Bewertung führen dann zum Gefühl der Angst und entsprechend einer körperlichen Reaktion.
  3. Deine Angst wird verstärkt mit deiner Wahrnehmung dieser körperlichen Situation.

Solange du dich also in deinem Sweetspot (leistungsfördernden Zone) befindest (Nervosität, die dich pusht, Adrenalinaustoß, positiv), wirst du deine Ziele erreichen. Erst mit zunehmendem inneren & äußeren Druck und der damit einhergehenden Abweichung von der „Ideallösung“, die der Trainer/Du vorgibt, stellt sich ein Angstgefühl bei dir ein und du bewegst dich langsam und schleichend aus deiner leistungsfördernden Zone rein in einen leistungshemmenden Zustand.

Meine Tipps für dich:

  1. Die vermeintliche „Ideallösung“ ist meistens das non plus ultra. Nur weil du dieses Ziel nicht erreicht hast bist, du nicht gescheitert oder gar schlecht. Stelle dir und anderen (Trainer, besseren Trainingsteilnehmern, Tennisspielern) die Frage: Was kann ich lernen? Copy and paste! Why not? Bereite dich auf ungewohnte Situationen, die dich aus deiner Komfortzone holen, vor indem du deine leistungshemmenden Gedanken filterst, reflektierst und sie bloß nicht ignorierst, sondern versuchst sie positiv zu gestalten und anzuwenden.
  2. Verändere dein Mindest. Lerne leistungsfördernde Gedanken anzuwenden, anzueignen und zu trainieren. Welche Persönlichkeiten findest du gut? Hast du vielleicht sogar ein Vorbild? Wie sieht dessen Mindest aus?
  3. Tennis ist ein Spiel, wie unsere ganzes Leben. Und hier möchte ich dir ein bärenstarkes Zitat von Roger Federer mit auf den Weg geben: „Aber ich will es auch genießen und Spaß haben, es soll nicht nur Krampf und Kampf sein.“ (Schweizer Infoportal „20 Minuten“, 07.05.2019). Also, bleib cool und genieße die Zeit auf dem Platz. Sie gehört dir.

Klare Worte und meine persönliche Meinung:

Werde dir klar, dass die Angst, die wir heutzutage empfinden größtenteils nicht mit einer psychischen Bedrohung einhergehen. Sondern wir, du & ich haben diesen „Sicherheitsimpuls“ (dankend) angenommen und ihn in einen egogesteuerten Drang verfälscht, um uns letztlich sicher zu fühlen. Schon im frühen Kindesalter werden wir darauf konditioniert den kurzfristigen Effekt der Angst in ein langfristiges Tool zur Vermeidung herausfordernder Situationen zu verwandeln, um unser Verlangen nach Anerkennung zu stillen. Auf der anderen Seite leben wir in einer Leistungsgesellschaft, geprägt von lauter Angsthasen, die beim kleinsten Gegenwind die Eier fallen lassen und wegrennen. Doch eigentlich sind unsere heutigen Sorgen & Befürchtungen nichts anderes als ein Nebenprodukt unseres eigenen falschen Gebrauchs des ursprünglichen Antriebs. 

Zusammengefasst handelt es sich bei unseren aktuellen Ängsten und das aus ihnen entstandene (feige) Denken und Handeln, um ein gesellschaftliches Drama, dessen Ursprung in nicht hinterfragten mentalen Impulsen und Konditionierungen liegt.

Wow, du hast dir den ganzen Artikel durchgelesen. Mega stark, vielen Dank hierfür. Was hat dir gefallen? Welche Erfahrung hast du mit dem Thema Angst auf dem Tennisplatz gemacht? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreibe mir persönlich an: florian@tennisrebels.de

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Sneak Peak Teil 2:

FUCK OFF… 

…Was passiert eigentliche, wenn die Angst zu unserem Motivator wird?

…Warum in der Wahrnehmung und der Bewertung der Schlüssel zum Erfolg liegt?

…Mit welchem Typ Angsthasen du künftig kein Doppel spielen solltest.

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